Beim Auffrischungstraining im Sportzentrum des MTV werden alltägliche Unfallsituationen geübt

Eine Frau stürzt auf einem Supermarktparkplatz, verletzt sich am Arm. Relativ schnell rappelt sie sich wieder hoch und beteuert, dass es ihr gut gehe. Sie ist blass, bekommt weiche Knie, muss sich wieder setzen und sie schwitzt. Was ist zu tun?

Dieses Szenario oder ähnliche wurden jetzt im Rahmen eines Erste-Hilfe-Trainings für ÜbungsleiterInnen und MTV-MitarbeiterInnen an einem Sonntag im Sportzentrum vorgestellt und besprochen. Wir Teilnehmer sollten erarbeiten, wie wir im Falle eines Unfalls als Ersthelfer bestmöglich reagieren. Denn rechtlich ist jeder dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Aber wissen wir in der konkreten Situation auch schnell, was zu tun ist?

Der MTV führt regelmäßig, üblicherweise im zwei-Jahres-Turnus, diese Schulungen durch, um die MitarbeiterInnen auf Notfälle im Sportzentrum vorzubereiten. Eine Rettungswache befindet sich zwar gleich in der Nähe des MTV, der Notarzt ist also schnell da. Doch was bis zum Eintreffen von professionellen Helfern zu tun ist, gilt es immer wieder zu üben.

Auch mir kam die Einladung zum Kurs sehr gelegen, denn meine letzte Auffrischung ist schon mehrere Jahre her. Im Ernstfall müsste ich immer erst überlegen, was genau zu tun ist, falls ein Unfall oder sonstiger Notfall passiert - wenn es mir dann überhaupt möglich ist, mit klarem Kopf zu reagieren. Unser Schulungsleiter erklärt, dass genau das zu häufig passiert: aus Schreck oder aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen, tut man erst einmal gar nichts. Dabei ist genau dies der größte Fehler. Helfen ist Pflicht, und zudem genießt ein Ersthelfer Rechtssicherheit; er kann nicht für mögliche Fehler in der Erstversorgung belangt werden. Denn auch diese Sorge hält viele davon ab, im Notfall zu handeln.

Im Kurs gehen wir zunächst theoretisch verschiedene Unfall- oder Notfall-Situationen durch. Vom oben genannten Sturz auf dem Parkplatz, über Elektrounfälle im Betrieb, blockierte Atemwege  oder gesundheitliche Notfälle – die Spanne ist breit. In Kleingruppen suchen wir mit Hilfe von Apps nach der möglichen Lösung für ein konkretes Problem und diskutieren sie dann gemeinsam mit unserem Trainer. Im Fall des Sturzes zeigt sich, dass wir zunächst auf den Schock der gestürzten Frau reagieren müssen, bevor wir uns um die sichtbare Verletzung kümmern sollen.

Im praktischen Teil am Nachmittag üben wir konkrete Handgriffe und Abläufe: stabile Seitenlage, Schocklagerung, den Einsatz eines Defibrillators (auch AED genannt) und die Mund-zu-Mund-Beatmung. Anstrengend wird es bei der Herzdruckmassage. Jeder muss zwei Minuten an einem Dummy im richtigen Rhythmus eine Herzmassage, kombiniert mit einer Beatmung, durchführen. Auch wenn ich es schon oft in Filmen oder Lehrvideos gesehen habe, ist es doch etwas anderes, dies praktisch über eine gewisse Dauer zu praktizieren. Zum Abschluss des Tages üben wir noch, verschiedene Verbände anzulegen. Auch dies sind Handgriffe, die man immer wieder üben sollte, damit sie im Notfall sitzen.

Das Training und das Hineindenken in die verschiedenen Situationen bringen mich dazu, dass ich mir auch noch einmal genau im Sportzentrum anschaue, wo eigentlich die Defibrillator- und Erste-Hilfe-Koffer sind, welche Handgriffe im Notfall zu absolvieren sind. Obwohl ich schon so lange dort ein und ausgehe und selbst Trainingsstunden leite, habe ich mir das bewusst noch nie eingeprägt. Als Nachwirkung des Trainings bemerke ich, dass ich auch in anderen Situationen checke, wo im Fall eines Falles Erste-Hilfe-Equipment ist: Im Auto, im Supermarkt, in der Bahnstation. Nicht mit einer Angst verbunden, sondern mit dem Hintergedanken, einer möglichen Notsituation ein wenig vorbereiteter begegnen zu können.

Für mich war dieser Tag ein Gewinn, und ich kann jedem empfehlen, aus eigener Initiative und außerhalb einer echten Notsituation seine Erste-Hilfe-Kenntnisse mal wieder aufzufrischen. Allgemeine und vertiefende Erste-Hilfe-Kurse für alle findet man zum Beispiel über die Webseiten des DRK und der verschiedenen Hilfsorganisationen wie Malteser, Johanniter oder ASB.

Kathrin Statz